Selbstreflektion / Buchempfehlung : „Almost Amish“ – oder wie ich mich doch für einen Picknick-Tisch im Garten entschiedenen habe und das französische Sesselchen seufzend verschmähte.

Nachhaltigkeit wie bei dem Amish. Uromas Sessel habe ich nun reaktiviert und er passt sich ganz gut an.

Nachhaltigkeit wie bei dem Amish. Uromas Sessel habe ich nun reaktiviert und er passt sich ganz gut an.

Mein Buchtipp fürs Frühjahr: Mehr für die Gemeinschaft - fürs lebenswerte Miteinander

Mein Buchtipp fürs Frühjahr: Mehr für die Gemeinschaft – fürs lebenswerte Miteinander

Krank sein ist ja zunächst einmal öde. Noch schlimmer wird es dann im Urlaub. Und dann noch so ein Urlaub, auf den man sich seit 4 Jahren freut: Skifahren in den Alpen.

Was soll ich sagen, der Urlaubsaufenthalt begann und endete in der Horizontalen und ob der langen Tage hatte ich viel Zeit für ein Buch, dass meine Freundin Natalie mir just vor dem Urlaub geliehen hatte:

AMISH für Anfänger – von Nancy Sleeth.

Das feine französische Sesselchen hatte es mir angetan. Es nennt sich Chauffeuse und würde herzallerliebst in mein Wohnzimmer passen. Eigentlich wollte ich es mir von meinem Ersparten kaufen. Aber dann kam das Buch dazwischen und nun seufze ich schon noch ein paar mal – aber bin doch froh, mich umentschieden zu haben.

Nancy Sleeth hat sich mit dem Lebensstil und der Lebensphilosophie der Amish-People in den USA beschäftigt. Diese christlich-religiöse Minderheit verzichtet im großen und ganzen auf eine angepasste amerikanische Lebensart und sie leben so, wie vor 100 Jahren. Einige haben zumindest noch Strom, andere verzichten völlig auf diese „abhängigmachenden Hilfsmittel“.

Der Lebensgedanke ist eigentlich alt und doch hoch aktuell: LEBE LIEBER REGIONAL – EINFACH UND GUT – und somit UMWELTFREUNDLICH und NACHHALTIG. Mit der Schöpfung soll respektvoll umgegangen werden.

Gekauft und angeschafft wird, was auch wirklich nur gebraucht wird und am besten noch der Allgemeinheit dient, bzw. weitervererbt werden kann. Wie zum Beispiel: Holzspielzeug, Werkzeuge, Kutschen, Tischwäsche…
Somit ist fast alles, was – meist in der Nachbarschaft – hergestellt wird von hoher Qualität und Beständigkeit. Verschwendung kennen die Amish nicht. Dafür Großzügigkeit: Man tauscht und teilt untereinander Geräte, Werkzeuge, Arbeitskraft ohne aufzurechnen. Denn irgendwann ist man dann wieder selber an der Reihe zu empfangen und zu ernten.

Wichtig ist auch der Gedanke der Familie, der Gemeinschaft. Man gehört zusammen, man steht für einander ein, man fühlt sich in Leid und Freud verbunden. Was mich besonderes auch ansprach, ist das eigentlich völlig normale:
MAN BESUCHT SICH GEGENSEITIG – UM NEUIGKEITEN UND/ODER HERZENSANGELEGENHEITEN AUSZUTAUSCHEN.

Internet, Handy, Telefon. Die vielen Zeitfresser lassen uns häufig zu kurzkommen im persönlichen Kontakt miteinander. AUCH in der Nachbarschaft, dort an den Platz wo man hingepflanzt wurde, wo man wirkt, lebt, liebt, leidet und sich freut.

Und das war mein Ansatz im Gartenbereich, wo viele Spaziergänger aus dem Dorf oder auch Wanderer vorbeikommen, eine Pausen- und Quatschzone fürs alltägliche Miteinander und einen netten Austauschort zu schaffen. Schlicht – aber einladend und offen. Dazu wünsche ich mir noch ein Schaukelgerüst für die Kleinen und einen Gartenschrank für Getränke und Gläser. Damit man immer direkt ein Stück Gastfreundschaft parat hat – ganz wie bei den Amish.
Und somit flog das Sesselchen für mich erst einmal von der Wunschliste. Vielleicht taucht es ja zu einem runden Geburtstag wieder einmal auf… wieso auch nicht.

Jetzt überlege ich mir erst einmal, wo und wie ich den Picknick-Tisch kaufe: CO2-freundlich im Holzfachmarkt des Nachbarstädtchens oder bei einem Einzelkämpfer aus der Mark Brandenburg, der jedoch bis zu mir ins Rheinland tuckern müsste… mmmmh. Schlüssig bin ich mir noch nicht. Habt Ihr eine Idee??

Das Buch bietet noch mehrere Ansätze, die man praktisch direkt in den Alltag importieren kann. Angefangen von günstigen Rezepten für viele Gäste für Tipps zur aktiven Nachbarschaftshilfe, zur Entrümplung von vollen Garagen, Tipps bei leeren Portomonnaies etc. Es liest sich leicht und na klar, alles ist nie für einen selbst, aber es macht Spaß zu entdecken, wo man bei sich anfangen könnte. Mal abgesehen davon, dass es eben vorrangig für Amerikaner geschrieben wurde und somit prinzipiell einiges für uns komisch klingt, bin ich jedenfalls dabei noch überlegter zu kaufen und zu handeln. Auch wenn ich NIE eine Amish-Lady sein werde, viele gute Grundideen sind aber mehr als nur überlegenswert.

Nun blicke ich einer schönen Frühlings- und Sommerzeit entgegen mit vielen kurzen oder langen persönlichen Gesprächen im Garten.

Liebe Frühlingsgrüße von Anna.

PS.
Bitte vergesst nicht, Bücher NICHT im Internet, sondern bei Eurer Buchhandlung um die Ecke zu beziehen. Da könnt Ihr es auch am nächsten Tag direkt abholen. Wirklich – ist auch C02-freundlicher!

Amish für Anfänger – Nancy Sleeth, 2013 im SCM Hänssler; 222 S., 14.95 EUR

Für die, die lieber in Englisch lesen: Almost Amish, 2011 ,Tyndale House Publishers

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Sommerlektüre: Jeannette Walls schrille (Über-) Lebensgeschichte(n) – kaum zu glauben, aber wahr!

Hier meine Buchempfehlung für den Urlaub  – leicht zu lesen und sehr packend. Ich liebe Lebensgeschichten. Warum? Weil man aus ihnen viel lernen kann und auch lernt wieder ein Stückchen dankbarer zu sein. So ist es auch mit dieser hier. Bereits 2006 wurde die Geschichte publiziert und findet auch in diesem Sommer wieder viele Leserinnen und Leser.

Jeannette Walls  - eine irre Lebensgeschichte die 1960 beginnt.

Jeannette Walls – eine irre Lebensgeschichte die 1960 beginnt.

Das „Schloss aus Glas“ scheint dank der phantasiereichen Erzählungen von Jeannettes Vater den Kinder durch die Kindheit hindurch immer wieder fast zum Greifen nah und dann doch wieder unendlich weit entfernt.  Und die Idee sowie die Pläne des Vaters sind wirklich genial: ein visionäres Haus, welches sich durch Sonnenenergie quasi zum Null-Energie-Haus wird. Und das bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der Vater ist ein Genie, der dem Alkohol verfallen, es nach dem Quittieren des US-amerikanischen Militärdienstes nie wieder richtig schafft Fuß zu fassen. Die Familie führt ein Vagabundenleben, immer mal wieder auf der Flucht vor sämtlichen Behörden. Und dies quer durch die USA.  Es ist ein packender Lebensbericht. Man fühlt mit mit der Autorin. Man schämt sich mit, für die teilweise sehr sonderbare Lebensweise der Eltern, man freut sich mit, wenn es “ ‚mal wieder etwas besser geht“ und weder Popcorn noch Hundefutter sondern ordentliche Mahlzeiten eingenommen werden können.  Man ärgert sich mit, wenn die Mutter, die eigentlich mit ihrem Lehrerinnengehalt die ganze Familie ernähren könnte, ihrer Inspiration als Künstlerin folgt und doch wieder Popcorn und Hundefutter auf dem Tisch landen. Oder auch gar nichts zu Essen vorhanden ist.

Jahrgang 1960 ist die Autorin, das Geschehen spielt also in einem – für die meisten Leser – sehr realen Zeitabschnitt und man ertappt sich dabei, zu überlegen, wie man selbst zu der Zeit gelebt hat und Coca Cola, Kaugummis und Mars, Snickers, Raider oder auch McDonalds ohne der größten „Wertschätzung“ genossen hat. Und wie man immer dachte: “ USA ist echt cooool. Da will ich mal hin.“  Liest man die Lebensgeschichte von Jeannette Walls wird einem bewusst, wie gut es uns doch allen ging (zumindest im Westen) und das die USA auch in den 60er und 70er Jahren nicht wirklich nur das Gelobte Land waren.

Nach dem sonnigen Arizona zieht die Familie in die verarmte Region in den Appalachen,  Kohleregionen deren Tristesse schon die eingeschränkten Sonnenstunden pro Jahr widerspiegeln. Dagegen scheint das Ruhrgebiet der 60er/70er Jahre das reinste Erholungszentrum zu sein. Trostlos und ohne Aussicht auf Besserung – wenn da nicht in der Schule jemand hingeguckt hätte und Jeannette unterstützt hätte mehr zu wagen und für etwas zu kämpfen.

Absolut bemerkenswert und bewundernswert, wie es die Frau geschafft hat, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Raus aus dem Müll, dem Schimmel, der Armut, dem Dreck.  Mit harter Arbeit und Disziplin. Heute ist sie eine angesagte Journalistin und Moderatorin in den USA.

„Ein Buch, das man nicht zwei mal liest, ist nicht wert einmal gelesen zu werden.“ Dieser Ausspruch stammt von Erich Kästner. Bei der Biographie von Jeannette Walls kann ich gerne unterschreiben, dass ich es in diesem Sommer zum 2. Mal lesen werden … es ist einfach zu faszinierend.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Diana Taschenbuch; Auflage: 11. Auflage (6. Juni 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453351355
  • ISBN-13: 978-3453351356
  • Preis: 8,95 EUR

Wem dieses Buch gefällt, der will mehr. Mehr von Jeannette Walls leben.  Und ihr zweites Buch, welches ich gelesen habe, hat mich ebenfalls gepackt. Es handelt von dem schrillen Leben ihrer Großmutter Lily Casey Smith im noch teils „Wilden Westen“ der USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.  Die mutige Frau unternimmt alles, was bis dato wohl noch kaum eine Frau der Zeit kummuliert gemacht hat: Cowgirl, Farmerin, Lehrerin, Pilotin, Schmugglerin und nicht zu letzt eine gute Mutter…Verfasst in Romanform in der Ich-Erzählung liest sich das Buch ebenso schnell und flüssig, wie die Biographie der Autorin selbst.

Beide Bücher kann ich absolut als Sommerlektüren empfehlen. Wer sie anfängt zu lesen, gibt die Bücher nicht gerne wieder aus der Hand.

 

Noch meine Bitte zum Schluss:Wie gehabt, kauft bitte die Bücher im örtlichen Buchhandel. Ein Anruf genügt und Ihr habt die Bücher bereits (fast immer) am nächsten Tag zur Abholung bereit.

ein vielversprechender Titel, der hält, was er verspricht: ein abwechslungsreiches Lesevergnügen

ein vielversprechender Titel, der hält, was er verspricht: ein abwechslungsreiches Lesevergnügen

Genieß den Sommer - mach' mal eine Pause...

  • Taschenbuch: 365 Seiten
  • Verlag: Diana (11. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453355628
  • ISBN-13: 978-3453355620
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,8 cm
  • Preis: 8,99 EUR