Sommerlektüre: Jeannette Walls schrille (Über-) Lebensgeschichte(n) – kaum zu glauben, aber wahr!

Hier meine Buchempfehlung für den Urlaub  – leicht zu lesen und sehr packend. Ich liebe Lebensgeschichten. Warum? Weil man aus ihnen viel lernen kann und auch lernt wieder ein Stückchen dankbarer zu sein. So ist es auch mit dieser hier. Bereits 2006 wurde die Geschichte publiziert und findet auch in diesem Sommer wieder viele Leserinnen und Leser.

Jeannette Walls  - eine irre Lebensgeschichte die 1960 beginnt.

Jeannette Walls – eine irre Lebensgeschichte die 1960 beginnt.

Das „Schloss aus Glas“ scheint dank der phantasiereichen Erzählungen von Jeannettes Vater den Kinder durch die Kindheit hindurch immer wieder fast zum Greifen nah und dann doch wieder unendlich weit entfernt.  Und die Idee sowie die Pläne des Vaters sind wirklich genial: ein visionäres Haus, welches sich durch Sonnenenergie quasi zum Null-Energie-Haus wird. Und das bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der Vater ist ein Genie, der dem Alkohol verfallen, es nach dem Quittieren des US-amerikanischen Militärdienstes nie wieder richtig schafft Fuß zu fassen. Die Familie führt ein Vagabundenleben, immer mal wieder auf der Flucht vor sämtlichen Behörden. Und dies quer durch die USA.  Es ist ein packender Lebensbericht. Man fühlt mit mit der Autorin. Man schämt sich mit, für die teilweise sehr sonderbare Lebensweise der Eltern, man freut sich mit, wenn es “ ‚mal wieder etwas besser geht“ und weder Popcorn noch Hundefutter sondern ordentliche Mahlzeiten eingenommen werden können.  Man ärgert sich mit, wenn die Mutter, die eigentlich mit ihrem Lehrerinnengehalt die ganze Familie ernähren könnte, ihrer Inspiration als Künstlerin folgt und doch wieder Popcorn und Hundefutter auf dem Tisch landen. Oder auch gar nichts zu Essen vorhanden ist.

Jahrgang 1960 ist die Autorin, das Geschehen spielt also in einem – für die meisten Leser – sehr realen Zeitabschnitt und man ertappt sich dabei, zu überlegen, wie man selbst zu der Zeit gelebt hat und Coca Cola, Kaugummis und Mars, Snickers, Raider oder auch McDonalds ohne der größten „Wertschätzung“ genossen hat. Und wie man immer dachte: “ USA ist echt cooool. Da will ich mal hin.“  Liest man die Lebensgeschichte von Jeannette Walls wird einem bewusst, wie gut es uns doch allen ging (zumindest im Westen) und das die USA auch in den 60er und 70er Jahren nicht wirklich nur das Gelobte Land waren.

Nach dem sonnigen Arizona zieht die Familie in die verarmte Region in den Appalachen,  Kohleregionen deren Tristesse schon die eingeschränkten Sonnenstunden pro Jahr widerspiegeln. Dagegen scheint das Ruhrgebiet der 60er/70er Jahre das reinste Erholungszentrum zu sein. Trostlos und ohne Aussicht auf Besserung – wenn da nicht in der Schule jemand hingeguckt hätte und Jeannette unterstützt hätte mehr zu wagen und für etwas zu kämpfen.

Absolut bemerkenswert und bewundernswert, wie es die Frau geschafft hat, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Raus aus dem Müll, dem Schimmel, der Armut, dem Dreck.  Mit harter Arbeit und Disziplin. Heute ist sie eine angesagte Journalistin und Moderatorin in den USA.

„Ein Buch, das man nicht zwei mal liest, ist nicht wert einmal gelesen zu werden.“ Dieser Ausspruch stammt von Erich Kästner. Bei der Biographie von Jeannette Walls kann ich gerne unterschreiben, dass ich es in diesem Sommer zum 2. Mal lesen werden … es ist einfach zu faszinierend.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Diana Taschenbuch; Auflage: 11. Auflage (6. Juni 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453351355
  • ISBN-13: 978-3453351356
  • Preis: 8,95 EUR

Wem dieses Buch gefällt, der will mehr. Mehr von Jeannette Walls leben.  Und ihr zweites Buch, welches ich gelesen habe, hat mich ebenfalls gepackt. Es handelt von dem schrillen Leben ihrer Großmutter Lily Casey Smith im noch teils „Wilden Westen“ der USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.  Die mutige Frau unternimmt alles, was bis dato wohl noch kaum eine Frau der Zeit kummuliert gemacht hat: Cowgirl, Farmerin, Lehrerin, Pilotin, Schmugglerin und nicht zu letzt eine gute Mutter…Verfasst in Romanform in der Ich-Erzählung liest sich das Buch ebenso schnell und flüssig, wie die Biographie der Autorin selbst.

Beide Bücher kann ich absolut als Sommerlektüren empfehlen. Wer sie anfängt zu lesen, gibt die Bücher nicht gerne wieder aus der Hand.

 

Noch meine Bitte zum Schluss:Wie gehabt, kauft bitte die Bücher im örtlichen Buchhandel. Ein Anruf genügt und Ihr habt die Bücher bereits (fast immer) am nächsten Tag zur Abholung bereit.

ein vielversprechender Titel, der hält, was er verspricht: ein abwechslungsreiches Lesevergnügen

ein vielversprechender Titel, der hält, was er verspricht: ein abwechslungsreiches Lesevergnügen

Genieß den Sommer - mach' mal eine Pause...

  • Taschenbuch: 365 Seiten
  • Verlag: Diana (11. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453355628
  • ISBN-13: 978-3453355620
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,8 cm
  • Preis: 8,99 EUR